Die „Incompiuta“: Küstenstraße Diano Marina - Imperia




Überblick über einen Abschnitt des noch nicht fertiggestellten Rad- und Fußgängerwegs in Diano Marina

ORTE GOLFO DIANESE

Die „Incompiuta“: Küstenstraße Diano Marina - Imperia




Juni 22, 2026

Zu den schönsten Spaziergängen, die man im Golf von Diano unternehmen kann, gehört sicherlich der entlang der „Incompiuta“, der Küstenstraße, die Diano Marina mit Imperia verbindet und dabei einen der eindrucksvollsten Abschnitte der Küste am Fuße des Capo Berta durchquert.

Heute ist dieser Weg ein beliebter Ort für Fußgänger, Radfahrer und alle, die einfach nur den Blick auf das Ligurische Meer genießen möchten. Und doch unterscheidet sich seine Geschichte stark von dem, was man sich vorstellen könnte. Hinter diesem kuriosen Namen verbirgt sich nämlich ein nie vollendetes Projekt, das die Geschichte der Region jahrzehntelang geprägt hat.

Erfahren wir, wo sich die „Incompiuta“ befindet, warum sie so heißt und wie sie zu einem der Wahrzeichen der Riviera di Ponente geworden ist.

Eine Vorschau auf das Unvollendete

Wo befindet sich die „Incompiuta“ von Diano Marina?

Die „Incompiuta“ liegt zwischen Diano Marina und Imperia, am Fuße des Capo Berta. Es handelt sich um eine etwa 4 Kilometer lange Küstenstraße, die parallel zur Via Aurelia verläuft und einige der schönsten Ausblicke auf diesen Küstenabschnitt bietet.

Heute ist er zu Fuß und mit dem Fahrrad befahrbar und ermöglicht es, sich zwischen Diano Marina und Imperia fortzubewegen, wobei man praktisch auf der gesamten Strecke dem Meer folgt. Auf der einen Seite trifft man auf Felsen, kleine Buchten und Strände, auf der anderen Seite auf die typische Vegetation der mediterranen Macchia, die das Kap Capo Berta prägt.

Für Gäste unserer Ferienwohnungen in Diano Marina ist die „Incompiuta“ einer der am einfachsten zu planenden Spaziergänge während des Aufenthalts: Sie liegt in der Nähe, bietet einen herrlichen Ausblick und eignet sich auch für diejenigen, die es gemächlich angehen lassen möchten. Wer die Strecke lieber mit dem Fahrrad zurücklegen möchte, kann die für die Gäste des Agriturismo bereitgestellten herkömmlichen und E-Bikes nutzen – ideal, um diesen Küstenabschnitt zu erkunden und auch andere Routen im Golf von Diano zu entdecken.

Meeresausschnitt aus der „Unvollendeten“, Diano Marina

Warum heißt es „Incompiuta“?

Der Name leitet sich aus der Entstehungsgeschichte dieser Straße ab. Die „Incompiuta“ entstand nämlich ursprünglich als Projekt für den Autoverkehr mit dem Ziel, eine direktere Verbindung zwischen Diano Marina und Imperia am Fuße des Capo Berta zu schaffen.

Die Arbeiten dauerten Jahre, doch die Trassenführung war mit einer Reihe von Problemen konfrontiert, die mit der Beschaffenheit des Geländes zusammenhingen. Erdrutsche, Steinschlag und ständige Sicherungsmaßnahmen machten es immer schwieriger, das Bauwerk fertigzustellen und sicher zu erhalten.

Im Laufe der Zeit wurde das ursprüngliche Projekt nach und nach aufgegeben, und die Straße wurde nie wie geplant in Betrieb genommen. Daher rührt der Name, unter dem sie bis heute bekannt ist: die „Incompiuta“.

Der Blick auf die „Incompiuta“ zwischen Diano Marina und Imperia

Die Geschichte der „Incompiuta“: Von der SS 449 zur nie fertiggestellten Straße

Heute ist sie als Strandpromenade zwischen Diano Marina und Imperia bekannt, doch die „Incompiuta“ entstand ursprünglich mit einem ganz anderen Zweck. Ihre Geschichte umfasst Jahrzehnte voller Entwürfe, unterbrochener Bauarbeiten und Versuche, eine Lösung für eines der heikelsten Verkehrsprobleme im westlichen Ligurien zu finden.

Das Projekt der Küstenstraße

Viele Jahre lang war die Hauptverbindung zwischen Diano Marina und Oneglia, das heute zur Gemeinde Imperia gehört, der Abschnitt der Aurelia, der das Kap Capo Berta umrundet. Mit dem Tourismus- und Wirtschaftsboom der 1950er- und 1960er-Jahre wurde diese Strecke jedoch zunehmend überlastet, vor allem in den Sommermonaten.

Um den Verkehr zu entlasten, wurde daher die Staatsstraße 449 geplant, eine neue Verkehrsader, die Diano Marina und Imperia am Fuße des Vorgebirges verbinden sollte. Die Idee war, eine schnellere und direktere Straße als die Aurelia zu schaffen, die nur wenige Meter vom Meer entfernt der Küste folgt.

Zur Umsetzung des Projekts wurden entlang der Steilküste von Capo Berta umfangreiche Arbeiten durchgeführt, darunter Aushubarbeiten und Sicherungsmaßnahmen, die das Profil der Küste teilweise veränderten.

Tatsächlich ist die Schwierigkeit, diesen Küstenabschnitt zu durchqueren, kein neues Phänomen: Schon in der Römerzeit umging die Via Iulia Augusta die Küste und verlief weiter landeinwärts, wahrscheinlich gerade, um ein Gebiet zu umgehen, das von Erdrutschen und Sturmfluten bedroht war.

Die 1960er Jahre und die ersten Probleme

In den 1960er Jahren nahm die ANAS das Projekt konkret wieder auf, und die Arbeiten kamen in Schwung. Auf einigen Abschnitten folgte die neue Trasse dem Verlauf eines alten Saumwegs, der während des Ersten Weltkriegs von österreichischen Kriegsgefangenen angelegt worden war.

Schon in der Anfangsphase traten jedoch Probleme auf, die sich als entscheidend erweisen sollten. Die Straße verlief nämlich am Fuße einer Felswand, an der es häufig zu Erdrutschen und Steinschlag kam. Um das Problem einzudämmen, wurden Steinschlagschutznetze angebracht und verschiedene Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, doch die Ergebnisse entsprachen nicht den Erwartungen.

Erdrutsche, Sturmfluten und die Einstellung des Projekts

Im Laufe der Jahre wurde die Situation immer schwieriger zu bewältigen. Einerseits führte die Instabilität der Klippe zu ständigen Erdrutschen und machte neue Sicherungsmaßnahmen erforderlich; andererseits setzten die Sturmfluten die Küstenstrecke zusätzlich unter Druck.

Nach jahrzehntelangen Baumaßnahmen, steigenden Kosten und Problemen, die nie ganz gelöst wurden, wurde deutlich, dass es äußerst schwierig sein würde, die Straße an dieser Stelle für den Autoverkehr offen zu halten. In den 1990er Jahren wurde das Projekt daher endgültig auf Eis gelegt.

Was eigentlich eine moderne Bundesstraße werden sollte, wurde nie wirklich gemäß dem ursprünglichen Plan in Betrieb genommen. Seitdem ist der Name „Incompiuta“ untrennbar mit diesem Küstenabschnitt zwischen Diano Marina und Imperia verbunden.

Abschnitt des Rad- und Fußgängerwegs von Diano Marina entlang der „Incompiuta“

Eine Anekdote: Napoleon und die Straßen von Capo Berta

Wenn man über die Geschichte der Straßen spricht, die durch Capo Berta führen, stößt man manchmal auf einen Hinweis auf Napoleon. Tatsächlich ist die „Incompiuta“ kein napoleonisches Bauwerk: Der Entwurf, der zur Entstehung der SS 449 geführt hätte, stammt nämlich aus einer Zeit, die mehr als ein Jahrhundert später liegt.

Der Zusammenhang mit Napoleon betrifft jedoch die Geschichte des ligurischen Küstenstraßennetzes. Zwischen dem Ende des 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts, während der napoleonischen Zeit, wurde aus militärischen, wirtschaftlichen und strategischen Gründen die Idee vorangetrieben, die Verbindungen entlang dieses Küstenabschnitts zu verbessern.

Die „Incompiuta“ und das napoleonische Straßennetz stammen also aus unterschiedlichen Epochen und Projekten, erzählen jedoch beide eine Geschichte, die sich im Laufe der Zeit wiederholt: den Versuch, einen direkteren Weg entlang eines Küstenabschnitts zu finden, der ebenso faszinierend wie schwer zu durchqueren ist.

Ein Blick auf das Meer von der „Incompiuta“ in Diano Marina aus

Von einer stillgelegten Straße zu einem Rad- und Fußgängerweg

Nachdem das ursprüngliche Projekt aufgegeben worden war, blieb die „Incompiuta“ jahrelang eine unvollendete Straße, die nur teilweise genutzt wurde und aufgrund von Sicherheitsproblemen am Hang häufig gesperrt werden musste.

Seit den 1990er Jahren begannen die Gemeinden Diano Marina und Imperia jedoch, sich eine andere Zukunft für diesen Küstenabschnitt vorzustellen. Die Idee war nicht mehr, den Straßenverkehr dort zuzulassen, sondern die Strecke wiederherzustellen und sie für Fußgänger und Radfahrer zugänglich zu machen.

In den folgenden Jahren wurden verschiedene Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, die dank regionaler und provinzialer Fördermittel auch in den frühen 2000er Jahren fortgesetzt wurden. Die Arbeiten betrafen sowohl die Seite von Imperia als auch die von Diano, mit dem Ziel, die Strecke immer besser nutzbar zu machen.

Heute hat die „Incompiuta“ in einem völlig anderen Gewand als dem, das sich die Planer der SS 449 vorgestellt hatten, neues Leben erlangt. Was ursprünglich als Straße für den Autoverkehr gedacht war, hat sich zu einem Rad- und Fußweg mit Blick auf das Meer entwickelt, der von Anwohnern, Touristen, Spaziergängern und Radfahrern frequentiert wird.

Die kürzlich erfolgte Wiedereröffnung der gesamten Strecke ist ein wichtiger Meilenstein für den sanften Verkehr an der Riviera di Ponente und gibt der Bevölkerung einen der eindrucksvollsten Ausblicke auf die Küste zwischen Diano Marina und Imperia wieder zurück.

Panorama der unvollendeten Straße in Diano Marina

Sehenswürdigkeiten entlang der „Incompiuta“

Neben ihrer besonderen Geschichte wird die „Incompiuta“ vor allem wegen der landschaftlichen Umgebung geschätzt, in die sie eingebettet ist. Auf einem Großteil der Strecke schweift der Blick über das Ligurische Meer und begleitet den Spaziergang mit weiten Ausblicken auf die Küste zwischen Diano Marina und Imperia.

Entlang der Strecke wechseln sich kleine Strandabschnitte, vom Meer geformte Felsen und Buchten ab, die diesen Küstenabschnitt am Fuße von Capo Berta prägen. Die Vegetation entspricht der typischen mediterranen Macchia mit Kiefern, Sträuchern und anderen Pflanzenarten, die entlang des zum Meer hin gelegenen Hangs wachsen.

Abschnitt der „Incompiuta“ von Capo Berta aus

Auf dem Weg nach Imperia kommt man an verschiedenen Aussichtspunkten vorbei, von denen aus man die Küste aus einer ungewöhnlichen Perspektive betrachten kann, während man bei Blick nach Osten Ausblicke auf den Golf von Diano und das Kap Capo Berta genießen kann.

Zu den markantesten Elementen der Route gehört auch der „Scoglio della Galeazza“, eine der bekanntesten Felsformationen der Gegend, die sich in der Nähe des Abschnitts der „Incompiuta“ in der Provinz Imperia befindet und während des Spaziergangs gut zu sehen ist.

Blick auf die „Incompiuta“ und den Felsen „Galeazza“

Capo Berta und die geschützten Meeresgebiete

Neben ihrem historischen und landschaftlichen Reiz führt die „Incompiuta“ durch einen Küstenabschnitt, der auch aus naturkundlicher Sicht besonders interessant ist.

Das Gebiet zwischen Capo Berta, Diano Marina und Capo Mimosa steht als besonderes Schutzgebiet (ZSC) unter Schutz – eine Ausweisung, die zum Schutz der Lebensräume und Arten sowohl an Land als auch auf dem Meeresgrund beiträgt.

Entlang der Strecke kann man die typische Vegetation der mediterranen Macchia beobachten, die einen Großteil des Vorgebirges von Capo Berta bedeckt. Auch das Meer birgt ein Naturerbe von großem Wert: Auf dem Meeresgrund befinden sich ausgedehnte Seegraswiesen aus Posidonia oceanica, einer Meerespflanze, die für das Gleichgewicht des Ökosystems im Mittelmeer von entscheidender Bedeutung ist.

Capo Berta und das Meer

„L'Incompiuta“ und der Tyrrhenische Radweg

In den letzten Jahren hat die „Incompiuta“ eine immer wichtigere Rolle im Radwegenetz des westlichen Liguriens eingenommen. Was einst ein nie fertiggestelltes Straßenbauprojekt war, ist heute eine der reizvollsten Verbindungen für alle, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang der Küste unterwegs sind.

Die Strecke soll nämlich Teil des „Ciclovia Tirrenica“ werden, der großen Radroute, die nach ihrer Fertigstellung einen Großteil der italienischen Tyrrhenischen Küste verbinden wird. In diesem Zusammenhang stellt der Abschnitt zwischen Diano Marina und Imperia eine strategisch wichtige Verbindung sowohl für den Nahverkehr als auch für den sanften Tourismus dar.

„L'Incompiuta“ und Molo Landini

Für Liebhaber des Radtourismus bietet die „Incompiuta“ die Möglichkeit, eine der landschaftlich reizvollsten Strecken der Riviera zu durchqueren, ohne sich dem Verkehr auf der Aurelia aussetzen zu müssen, und dabei die Landschaft in deutlich entspannterem Tempo zu genießen.

Wenn Sie auch andere Routen in der Gegend erkunden möchten, empfehlen wir Ihnen, unseren ausführlichen Bericht über den Radweg zwischen Diano Marina und Andora zu lesen – eine weitere Strecke, die bei allen sehr beliebt ist, die die Gegend gerne auf zwei Rädern entdecken.

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